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Demographischer Wandel & Fachkräftemangel: Was tun?

Inhaltsverzeichnis

Demographischer Wandel & Fachkräftemangel: Was tun?

Der demographische Wandel – sicher haben Sie darüber schon einiges darüber gelesen:
Zwar nimmt die Weltbevölkerung zu, doch die Deutschen werden immer weniger. Für das Klima mag ein Rückgang der Bevölkerung gut sein, dennoch wirft dieser eine ganze Handvoll ernster Probleme auf: Nicht nur gibt es immer weniger Menschen, die in unsere Sozialsysteme einzahlen, auch der Fachkräftemangel ist eine Folge des demographischen Wandels und macht Unternehmen schwer zu schaffen.
In diesem Beitrag beleuchten wir Zahlen, Fakten und Hintergründe, schauen uns an, welche Herausforderungen der demographische Wandel für Unternehmen bereit hält und wie Sie diese angehen können.

Was ist der demographische Wandel? Die Definition

Demographischer Wandel ist eine größere Veränderung in der Bevölkerungsstruktur. Betrachtet werden in der Bevölkerungswissenschaft/ Demographie unter anderem die Anzahl der Bürger, die Altersstrukturen der Gesellschaft und deren Ursachen, wie zum Beispiel die Geburten- und Sterberaten, die Zu- und Abwanderung, der Altersdurchschnitt.

 

Altersstruktur, demographischer Wandel

 

Bevölkerungsrückgang

Generation Babyboomer

In der Grafik oben sehen Sie die Altersstruktur unserer heutigen Gesellschaft in Deutschland, Stand ist 2017.
Sie sehen wieviele Bürger und Bürgerinnen jeden Alters es gibt.
Wenn Sie einen Blick auf die um die 50- jährigen werfen, dann erkennen Sie, dass die Mitglieder dieser GenerationBabyboomer genannt werden. Die Babyboomer sind, wie der Name schon nahelegt, besonders zahlreich vertreten. Das liegt daran, dass in der Zeit ab 1958, nachdem sich die Lebenssituation nach dem Krieg wieder etwas verbessert und stabilisiert hatte, sukzessive mehr Kinder geboren wurden. Die jährlichen Geburtenzahlen steigerten sich bis zum Jahr 1964, welches der geburtenstärkste Jahrgang war.

Pillenknick

Danach fiel die Geburtenrate wieder ab, denn die Antibaby-Pille kam auf den Markt und Frauen machten von der Gelegenheit Gebrauch damit aktiv Familienplanung zu betreiben.
Bis in die 70er Jahre wurden jährlich mehr Menschen geboren als starben. Dies jedoch änderte sich im Jahr 1972; seit dem ist die Sterberate in Deutschland höher als die Geburtenrate. D.h. die Deutschen werden tendenziell immer weniger, wie Sie in der Grafik oben gut erkennen können.

Geburtenrückgang

Die Gründe dafür sind vielfältig; jedoch ist auffällig, dass in Gesellschaften, in denen Mütter, Kinder, Familien mehr Sicherheit erwartet, z.B. in Sachen Kinderbetreuung, Arbeitsplatz etc. die Gebärfreude etwas ausgeprägter ist. Beispiele sind die geburtenreiche DDR oder heutzutage Frankreich, mit einer Geburtenrate von 1,96 Kindern pro Frau im Gegensatz zu Deutschland mit 1,50.

Ruhestand der Generation Babyboomer

Die Generation der Babyboomer ist im Jahr 2019 zwischen 54 und 64 Jahren alt. Sie bekleidet derzeit viele verantwortungsvolle, gehobene Positionen und hat im Laufe ihrer beruflichen Karriere viel Expertenwissen und Erfahrungen sammeln können. In den nächsten Jahren werden die Mitglieder dieser Generation sich allmählich in den Ruhestand begeben.
Dadurch geht viel Kompetenz verloren und vorallem werden viele freie Stellen entstehen, für die rein zahlenmäßig nicht genug Mitarbeiter werden nachrücken können.

 

Altersstruktur Veraenderung demografie

 

Geschichte und Zukunft unserer Demografie

In der Grafik oben finden Sie die zuvor gezeigte aktuelle Altersstruktur (2017) im Vergleich mit Vergangenheit und (prognostizierter) Zukunft.
Interessant ist für uns besonders die Zukunft: in ungefähr 40 Jahren, im Jahr 2060, werden voraussichtlich noch weniger Kinder geboren werden als heute.
Die Anzahl der älteren Menschen dahingegen erhöht sich deutlich. Nicht nur sind im Vergleich zu 2017 oder gar 1950 sehr viel mehr Menschen bis zu 100 Jahre alt; insgesamt gibt es deutlich mehr Menschen über 60 Jahre.

Unsere Lebenserwartung erhöht sich!

Auch wenn unsere Gesellschaft immer älter wird, so ist das doch erfreulich absehen zu können, dass uns ein zunehmend längeres Leben beschert werden wird.
Stellen Sie sich vor: ein Mädchen, dass heute geboren wird hat eine Lebenserwartung von 92,8 Jahren, ein Junge 87,8 Jahre!
Und das ist wie gesagt der Durchschnitt. Es wird erwartet, dass 28 % der Mädchen und 7 % der jungen ein alter jenseits der 100 Jahre erreichen werden.
Schon jetzt ist unsere Lebenserwartung im Vergleich mit früheren Zeiten und im Vergleich mit anderen Ländern relativ hoch.

 

Lebenserwartung Demographie

 

Überalterung und Rente

Sinkende Geburtenraten und höhere Lebenserwartung verändern die Altersstruktur unserer Gesellschaft ganz erheblich. Es gibt deutlich mehr Rentner und im Gegensatz dazu deutlich weniger junge Menschen, die in die Rentenkasse einbezahlen könnten.
Hier beleuchten wir kurz die bisherige Entwicklung des Verhältnises von Rentnern und Renten- Beitragszahlern. Schon im Jahr 2015 lag das Verhältnis bei 1:2,1.

 

Demographischer Wandel Rente

 

Unternehmen und der demographische Wandel

Problem Fachkräftemangel

Die Rente ist andernorts bereits zahl- und umfangreich besprochen worden.
Was jedoch sind die Folgen des demographischen Wandels für Unternehmen?
Michael Carl ist Zukunftsforscher im Think Tank 2b ahead – und war Keynote Speaker auf einer unserer Leadership Lounges. Seine Forschungen ergaben, dass in weniger als 10 Jahren 6,5 Millionen mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen werden, als neue Arbeitskräfte nachkommen. – Sie erinnern Sich: die Babyboomer gehen in Rente und hinterlassen Lücken.
Michael Carls Best Case Scenario ergab, dass
  • selbst wenn das Renteneintrittsalter höher angesetzt würde,
  • Frauen nach der Babypause vermehrt und schneller ins das Leben zurückkehren würden,
  • wenn sich die Gesundheit der Arbeitnehmer stabilisieren lassen würde, so dass es weniger krankheitsbedingte Ausfälle gäbe
  • und wenn die Großzahl der Menschen, die hier Asyl bekommen haben zügig in Arbeit kämen,
immer noch 3 Millionen zu wenig Arbeitskräfte auf dem Markt sein werden.
Das sind finstere Aussichten für Unternehmen. Denn eines ist klar: Keine Arbeitskräfte, keine Leistung.

 

Demographischer Wandel Arbeitgeberattraktivität

 

Fachkräfte – aber woher?

Unternehmen geraten diesbezüglich zusehends unter Druck: Für handwerkliche Berufe finden Unternehmen bereits kaum noch Auszubildende. Fachkräfte fehlen in den Gesundheits – und Pflegeberufen, in der Gastronomie sowie in den MINT- Berufen ( Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Besserung ist nicht in Sicht.
Unternehmen müssen sich absichern und schon jetzt dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft noch geeignete Fachkräfte beschäftigen können.
Die Machtverhältnisse jedoch kehren sich um: Den Mitarbeitern heute stehen viele Unternehmenstüren offen. Sie müssen nicht nehmen, was sie kriegen können, sondern haben die Möglichkeit sich zu entscheiden, wo es ihnen am besten gefällt. Auch wenn das noch nicht in allen Branchen angekommen ist, so sind die Tendenzen doch eindeutig.
Ein verdutzter Handwerkermeister, der sich vor einigen Jahren noch vor Bewerbern nicht retten konnte, hörte einen potentiellen Azubi nach dem Vorstellungsgespräch sagen: „Ich mag Sie. Sie kommen auf meine Shortlist. Ich melde mich, wenn ich mich entschieden habe.“ Sprachs und ging.
In Zukunft können sich Unternehmen nicht mehr die Besten herauspicken, sondern müssen nehmen, wen sie kriegen können.

Für Arbeitnehmer attraktiv werden

Es gibt auch gute Nachrichten: Die Chancen geeignete Arbeitnehmer zu finden und einzustellen, lassen sich erhöhen, indem Unternehmen sich für diese attraktiv machen.
Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Wo und vor allem wie wollen Sie die heißbegehrten Fachkräfte ansprechen?
  • Warum sollte eine Fachkraft, die die Wahl hat in mehreren Unternehmen zu arbeiten, sich ausgerechnet Ihr Unternehmen aussuchen?
  • Was – außer guter Bezahlung – haben Sie den Mitarbeitern zu bieten?
  • Was wird den Arbeitnehmer in Ihrem Unternehmen halten?
  • Wie werden Sie ein Arbeitgeber, der von außen positiv wahrgenommen wird?
  • Was empfinden potentielle Mitarbeiter überhaupt als positiv?

 

Junge Mitarbeiter gewinnen

 

Junge Mitarbeiter gewinnen

Die Zeiten wandeln sich: Mitarbeiter haben früher auf andere Dinge wert gelegt als heute.
Galten früher  – und für ältere Mitarbeiter auch heute noch – ein sichtbar hoher Status im Firmengefüge, ein dicker Firmenwagen, ein eigenes Büro und vor allem ein sattes Gehalt als attraktiv, so wirken für die neuen Generationen andere Gegebenheiten als anziehend.

Wohlfühlfaktoren Team und kreative Umgebung

Für junge Menschen ist es wichtig, ein tolles Team zu haben und sich bei der Arbeit wohl zu fühlen. Sie genießen gerne Mitspracherecht und schätzen eine kreative Umgebung und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Google ist auf diese Bedürfnisse sehr gut eingegangen und erfreut sich großer Beliebtheit als Arbeitgeber. So gibt es bei Google Hamburg in der Kantine den ganzen Tag kostenlos frisch gepressten O-Saft und von Köchen frisch zubereitetes, gesundes Essen, die Räume sind kreativ eingerichtet – und die Arbeitszeit darf sich der Mitarbeiter selbst einteilen. Die Mitarbeiter sollen sich schließlich wohl fühlen und ihr Bestes geben.

Familienvereinbarkeit

Auch legen die jungen Generationen mehr Wert auf ihr Familienleben. Wie familienfreundlich ist also Ihr Unternehmen? Prüfen Sie: Ist es attraktiv für Menschen in der Familienphase bei Ihnen zu arbeiten?

Junge Mitarbeiter erreichen

Selbstverständlich werden Sie junge Menschen kaum mit einer Anzeige im Stadtanzeiger erreichen – und oft sind Anzeigen in Internetportalen auch nicht unbedingt erfolgreich. Mercedes hat hier eine beispielhafte Kampagne gestartet: Als man feststellte, dass sich kaum noch junge Menschen auf eine Ausbildung bei Mercedes bewarben, bat man die vorhandenen Auszubildenden auf WhatsApp und Ihren Social Media Kanälen per Video und Foto von ihren Ausbildungsplätzen zu berichten. Und siehe da – gleich interessierten und bewarben sich mehr junge Leute.
Auf die Besonderheiten und Vorlieben, die die verschiedenen Generationen mit sich bringen, sind wir in unserem Artikel Generation Y, Generation X, Generation Z – Unterschiede & Chancen gründlich eingegangen.

 

Ältere Mitarbeiter Arbeitgeberattraktivität

 

Ältere Mitarbeiter im Unternehmen halten

Der natürliche Lauf der Dinge wäre, so könnte man meinen, dass die Älteren gehen und die Jüngeren sie ersetzen. Wir haben ja bereits ausführlich dargelegt, dass das nicht der Fall sein wird. Es wird zunehmend weniger jüngere Erwerbspersonen ergeben. Das bedeutet, dass es für die Unternehmen nicht nur wichtig ist, sich auf die wenigen jungen Mitarbeiter einzustellen, sondern sich auch um ältere Mitarbeiter zu bemühen.

Die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter

In einer Studie fanden Ehrentraut O., Fetzer S. heraus, dass sich die Anzahl Arbeitnehmer +55  mehr als verdoppeln müsste um ausreichendes Maß gesellschaftlichen Wohlstands zu garantieren. Und nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Unternehmen brauchen Leute über 55.
Deren Bedürfnisse wiederum sind gänzlich andere als die der Zwanzigjährigen.
Wie gestalten Sie das Arbeitsumfeld und die Arbeitssituation für ältere Menschen attraktiv, so dass diese länger im Unternehmen bleiben wollen?

Neue Arbeitsmodelle

Es gibt bereits neue Modelle zum Beispiel die freiwillige Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses oder der flexible Übergang in Ruhestand.
Zudem muss die Wertschätzung älterer Arbeitnehmer steigen. Warum sollte man um die 60 zum alten Eisen gehören und nicht mehr eingestellt werden?
Hier ging die Sparkasse beispielhaft voran: Sie holten ehemalige Mitarbeiter aus dem Ruhestand tageweise zurück, denn sie brauchten Leute, die sich um die älteren Kunden kümmerten – und das konnten die älteren Mitarbeiter am besten. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 

Team Arbeitsbedingungen

 

Arbeitgeberattraktivität

Letztendlich ist gibt es viel, dass Sie als Unternehmen tun können, um auf potentielle Arbeitgeber attraktiv zu wirken. Doch hüten Sie sich davor lediglich an Ihrer Außenwirkung zu arbeiten. Denn wenn ihre Mitarbeiter sich in Ihrem Unternehmen nicht wohl fühlen, dann wird sich diese Information früher oder später auf einer entsprechenden Internetplattform wieder finden. Außerdem: was hätten Sie davon einen Mitarbeiter einzustellen, der Ihr Unternehmen zunächst für attraktiv hält, aber bei der nächsten Gelegenheit kündigt, da Sie Ihre Versprechen nicht eingelöst haben. Das würde Sie nur sehr viel Zeit und Geld kosten.

Employer Branding

Wie genau werden Sie zum attraktiven Arbeitgeber? Der Weg dahin ist mitunter etwas länger und es gibt einiges zu beachten. Doch es lohnt sich!
Einer unserer nächsten Artikel betrachtet das Thema Employer Branding. Hier schreiben wir sehr ausführlich, welches die einzelnen Schritte zum gelungen Employer Branding sind, zeigen die Dos and Dont´s und berichten von Beispielen. Sie lesen von uns!
Und wenn Sie es nicht erwarten können:

Wir helfen Ihnen gerne beim Employer Branding!

Schon viele Unternehmen durften wir dabei unterstützen ein attraktiver Arbeitgeber zu werden. Wir würden uns freuen auch Ihr Unternehmen beim Employer Branding begleiten!
Wir zeigen in diesem Beitrag viele Grafiken, die meisten sind vomwww.demografie-portal.dedes statistischen Bundesamtes, welches die Veröffentlichung dankenswerterweise genehmigt.

Die Autorinnen

Kassandra Knebel
Susanne Grätsch
Berliner Team