Change Management
Restrukturierung einfach erklärt: Ablauf, Beispiel & Tipps

Restrukturierung ist ein Begriff, der Angst und Unbehagen auslöst. Er ist assoziiert mit massenhaften Kündigungen und drohender Insolvenz. Damit beschäftigen sich viele erst, wenn es nicht mehr anders geht. Dabei ist  Restrukturierung nicht bloß ein Fallschirm, der ein Unternehmen auffangen kann, sondern vielmehr die Veränderung, die ein Unternehmen erst richtig tragfähig macht – und oftmals sogar Arbeitsplätze rettet!  Die Vorraussetzung: Warte nicht bis äußere Umstände dich zum Handeln zwingen, sondern handle möglichst proaktiv bei den ersten Anzeichen!

„Zum Ob einer Restrukturierung gibt es oftmals keine Alternativen. Das Wie kann jedoch gemeinsam ausgestaltet werden, wenn es einem gelingt frühzeitig aktiv zu werden und damit im Driver Seat zu bleiben.“

Angélique Thranberend

In diesem Artikel besprechen wir:

  1. Restrukturierung – was bedeutet das?
  2. Wie läuft eine Restrukturierung ab?
  3. Wie geht es nach der Restrukturierung weiter?
Stellenabbau


1. Restrukturierung – was bedeutet das?

Definition Restrukturierung

Restrukturierung ist ein gezielter, systematischer Prozess, mit dem ein Unternehmen seine interne Struktur, Prozesse, Strategien und seine Finanzierungsbasis verändert, damit es wieder stabil und zukunftsfähig wird. 

Beschreibung Restrukturierung

Die Restrukturierung eines Unternehmens beschreibt koordinierte Veränderungen in Organisation, Prozessen, Kostenstruktur, Finanzierung, Strategie und Unternehmenskultur, um das Unternehmen leistungsfähig zu machen. Dabei geht es nicht nur um Finanzen, sondern auch darum wie Menschen im Unternehmen zusammenarbeiten.

Restrukturierung ist – ähnlich wie Change Management – ein Transformations-Prozess, der sowohl die harte Seite (Zahlen, Kosten, Organisation) als auch die weiche Seite (Kommunikation, Kultur, Motivation) im Blick haben muss. Das bedeutet, dass in einem Restrukturierungs-Prozess die Menschen in der Organisation befähigt werden, gemeinsam neue Wege zu gehen. Dafür braucht es Transparenz, Beteiligung und ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen.

Typisch für Restrukturierungen ist, 

  • dass sie unter hohem Zeitdruck stattfinden,
  • mit begrenztem finanziellen Handlungsspielraum umgesetzt werden,
  • und unter intensiver Beobachtung von Banken, Gesellschaftern und weiteren Stakeholdern stehen.
Finanzielle Restrukturierung


Restrukturierung Gründe

Was sind Gründe für eine Restrukturierung?

In welchen wirtschaftlichen Situationen wird eine Restrukturierung erforderlich? Restrukturierung wird notwendig, wenn ein Unternehmen nicht mehr stabil im aktuellen Markt bestehen kann, wenn die bisherige Art des Zusammenarbeitens und Wirtschaftens nicht mehr zum Erfolg führt und wenn operative Anpassungen allein nicht mehr ausreichen. Hier braucht es grundlegende Veränderung!

Typische Auslöser sind:

  • Verlust von Wettbewerbsfähigkeit (z. B. durch günstigere Anbieter, Digitalisierung)
  • Marktveränderungen und sinkende Nachfrage (z.B. durch veränderten Kundenbedarf, veraltete Produkte)
  • Steigende Fixkosten bei gleichbleibender Produktivität (z.B. durch höhere Energiekosten)
  • Anhaltende Ergebnis- oder Liquiditätsprobleme (negatives EBIT über mehrere Perioden)
  • Steigender Finanzierungsbedarf
  • Missverhältnis zwischen Strategie und tatsächlichem Verhalten der Mitarbeitenden
  • Kosten für Strukturen, die nicht (mehr) tragen (z.B. für Personal, Standorte, IT-Systeme und Prozesse)
  • Hohe Komplexität, d. h. Produkte oder Prozesse sind nicht (mehr) effizient.

Hier zeigt sich: Restrukturierung wird dann ein Thema, wenn Zahlen, aber auch menschliche Routinen und Werte nicht mehr zur notwendigen Ausrichtung passen – und das Unternehmen dadurch ernsthaft gefährdet wird. Fast immer entsteht der Restrukturierungs-Bedarf nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch mehrere, anhaltende, parallel auftretende Faktoren, so dass operative Schwächen und externe Einflüsse schliesslich zu finanziellen Engpässen führen.

Krisensymptome

Krisenstufen

  1. Strategische-KriseDie strategische Krise beginnt meist schleichend: die eigenen Produkte sind nicht mehr so gefragt, die Konkurrenz ist innovativer, vielleicht hat das Unternehmen einen Technologie-Wandel verpasst. Oberflächlich betrachtet sieht alles noch einigermaßen gut aus. Aber: das Geschäftsmodell bröckelt. 
  2. Ergebnis-KriseDie Krise bildet sich in den Zahlen ab: Umsätze und Gewinne brechen ein, die Kosten laufen aus dem Ruder. Vielleicht zieht sich ein wichtiger Kunde zurück. Spätestens jetzt schrillen die Alarmglocken.
  3. Liquiditäts-Krise

Hier ist ein Notfall entstanden: das Unternehmen kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen; die Insolvenz klopft an die Tür.

Was sind die Symptome einer Krise?

Eine sich anbahnende Krise lässt sich weit vor den roten Zahlen erkennen. 

  • Hat sich der Markt verändert –  gibt es neue Kunden-Bedürfnisse oder neue Konkurrenz?
  • Gehen eure Umsätze zurück?
  • Werden eure Budgets oder andere Ressourcen häufig überlastet?
  • Werden eure Entscheidungswege immer länger?
  • Verliert ihr gute Leute?
  • Fehlen euch zündende Ideen um am Markt bestehen zu können?
Strategische Restrukturierung


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Was ist der Unterschied zwischen Sanierung, Restrukturierung und Turnaround?

Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte. Eine Sanierung ist der letzte Rettungsanker, wenn die Insolvenz droht oder sogar schon da ist. Eine Restrukturierung richtet neu aus, um zu stabilisieren. Sie findet idealerweise schon sehr viel früher statt, also bevor die Krise da ist. Ein Turnaround sorgt für Wachstum.

Vergleich: Restrukturierung vs. Sanierung vs. Turnaround

AspektRestrukturierungSanierungTurnaround
FokusAnpassung von Strukturen, Prozessen, Finanzierung und StrategieExistenzsicherung und Vermeidung der InsolvenzRückkehr zu Wachstum und Profitabilität nach der Krisenphase
ZielWiederherstellung nachhaltiger WettbewerbsfähigkeitWiederherstellung der Zahlungsfähigkeit und positive FortführungsprognoseStrategische Neuausrichtung und Expansion
Typische SituationWirtschaftlich angespannt, aber noch handlungsfähigAkute wirtschaftliche Krise, Insolvenzreife droht häufigStabilisierung erreicht, nun Wiederaufbauphase
Charakter der MaßnahmenKombination aus operativen, finanziellen und strategischen EingriffenStark rechtlich und finanzierungs-getriebenStärker markt- und wachstumsgetrieben
Rechtlicher RahmenHäufig außergerichtlich, ggf. präventive Verfahren (z. B. StaRUG)Häufig im oder kurz vor dem InsolvenzverfahrenIn der Regel ohne insolvenzrechtlichen Rahmen
Zukunftsausrichtung

Welche Arten von Restrukturierung gibt es?

Restrukturierung lässt sich in vier Dimensionen unterscheiden, die miteinander kombiniert werden. Vordergründig geht es zunächst darum Effizienz zu schaffen und Finanzen auszubalancieren, doch letztendlich ist bei einer Neuausrichtung immer auch die Veränderung der Unternehmenskultur vonnöten.

Operative Restrukturierung

Die operative Restrukturierung verbessert Effizienz, Produktivität und Kostenstruktur im Tagesgeschäft und reduziert unnötige Komplexität. 

Ganz praktisch heißt das: Zusammen mit den Mitarbeitenden analysiert ihr, wo und wie eure Zusammenarbeit besser laufen kann. Welche operativen Kosten können wir senken? Welche Prozesse sind zu langsam, fehleranfällig oder unnötig komplex? Welche (Produkt-) Varianten sind aufwändig bringen aber keinen Mehrwert? Wo können Durchlaufzeiten verkürzt werden? Welche Aufgaben lassen sich standardisieren oder automatisieren? Wo fehlen klare Verantwortlichkeiten?

Finanzielle Restrukturierung

Die finanzielle Restrukturierung sichert Liquidität und Stabilität der Finanzierung.

Womöglich müsst ihr Zahlungsziele anpassen und Kreditlinien neu verhandeln. Ganz wichtig dabei: Vertrauen und Transparenz gegenüber euren Finanzpartnern.

Fragt euch: Wie lange reicht unsere Liquidität? Welche Zahlungen sind kritisch? Welche Kreditlinien müssen angepasst werden? Wie können Lagerbestände und Forderungen reduziert werden? Welche Vermögenswerte können liquidiert werden? Wie sichern wir Vertrauen bei Banken und Investoren?

Strategische Restrukturierung

Die strategische Restrukturierung richtet euer Geschäftsmodell auf Zukunftsfähigkeit aus.

Ihr passt euer Geschäftsmodell an die Marktrealität an und ermittelt Zukunftsfelder die tragfähig sind, so dass ihr langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Oft braucht es hier einen Wertewandel, damit die Unternehmenskultur z.B. in Sachen Führungsverständnis, Werten und Prioritäten die neue Ausrichtung auch tragen kann.

Hier geht es darum: Welche Produkte und Märkte sind profitabel? Wo verlieren wir Wettbewerbsfähigkeit? Was differenziert uns wirklich? Welche Geschäftsbereiche binden Ressourcen ohne Perspektive? Welche Trends verändern unser Geschäft? Welche Kompetenzen brauchen wir künftig? Aber auch: Welche kulturellen Muster behindern schnelle Entscheidungen und Innovation? Wie müssen Führung und Zusammenarbeit aussehen, um die neue Strategie im Alltag umzusetzen?

Strukturelle Restrukturierung

Die strukturelle Restrukturierung schafft klare Strukturen und schnellere Entscheidungen.

Die Welt rund um euer Unternehmen wird sich auch weiterhin verändern und ihr werdet schnell darauf reagieren müssen. Deshalb solltet ihr Aufbauorganisation, Entscheidungslogiken und Verantwortlichkeiten so umgestalten, dass ihr stets handlungsfähig seid ohne langes bürokratisches Absichern über viele Hierarchieebenen. 

Zentrale Fragen sind: Wie viele Hierarchieebenen brauchen wir? Wo verzögern sich Entscheidungen? Welche Rollen und Schnittstellen sind unklar? Wie fördern wir bereichsübergreifende Zusammenarbeit? Welche Entscheidungen können dezentralisiert werden? Welche Meetings / Gremien erzeugen wenig Mehrwert? Wie erreichen wir eine Kultur von Verantwortung, Transparenz und Ergebnisorientierung?

Changemanagement Berater


Kulturwandel

Was sind die Ziele einer Restrukturierung?

Eine Restrukturierung ist ein strategisches Instrument und kein reiner Notfallplan. Es geht darum das Erfolgspotential eines Unternehmens zu stärken, so dass das Geschäftsmodell langfristig tragfähig bleibt. Deshalb verfolgt eine Restrukturierung mehrere Ebenen von Zielen, die sich zeitlich unterscheiden und aufeinander aufbauen.

Kurzfristige Ziele: Krise entschärfen & Stabilität schaffen

Erstmal gilt es Schlimmeres abzuwenden, um handlungsfähig zu bleiben:

  • Sicherung der Liquidität
  • Fixkosten senken
  • Vermeidung von Zahlungsunfähigkeit
  • Vertrauenssicherung bei Banken und Lieferanten
  • Stabilisierung des operativen Geschäfts

Mittelfristige Ziele: Leistungsfähigkeit verbessern

Jetzt geht es darum wieder Profite zu generieren:

  • Optimierung von Produkten, Organisation und Kosten
  • Klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege definieren
  • Verbesserung von Produktivität und Effizienz
  • Wiederherstellung der Profitabilität

Langfristige Ziele: Zukunftsfähigkeit herstellen

Um nicht bei nächster Gelegenheit wieder in eine ähnliche Situation zu geraten, muss das Unternehmen sich darauf vorbereiten sich künftigen Veränderungen schnell anpassen zu können:

  • Strategische Ausrichtung schärfen
  • Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Anpassung des Geschäftsmodells
  • Innovationsfähigkeit stärken
  • Kultur und Zusammenarbeit so entwickeln, dass Wandel leichter gelingt

Restrukturierung bedeutet dabei immer, Menschen zu befähigen, nicht nur Regeln umzusetzen, sondern neues Verhalten im Alltag zu verankern — ein zentrales Thema im Change Management!

Unternehmensberatung


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Restrukturierung: Krisenreaktion oder Chance?

In den meisten Fällen ist eine Restrukturierung die Antwort auf negative Entwicklungen und wirtschaftliche Notlagen. Aber eine rein reaktive Restrukturierung, die nur auf Kosten-Senkung (wie Personalabbau) setzt, bleibt ohne Perspektive. Nachhaltiger Erfolg entsteht erst, wenn gleichzeitig neu ausgerichtet wird (Prozesse, Strukturen, Geschäftsmodell usw.), so dass neue Kunden-Bedürfnisse und Marktchancen künftig genutzt werden können. 

Du kannst dir eine Restrukturierung wie die Grundsanierung eines alten Hauses vorstellen. Eine Krisenreaktion wäre es, das undichte Dach zu flicken. Und Zukunftsgestaltung würde bedeuten bei der Gelegenheit die gesamte Raumaufteilung zu modernisieren und die Dämmung für die Zukunft zu optimieren. Nur im zweiten Fall wäre das Haus auch in vielen Jahren noch bewohnbar und wertvoll.

Restrukturierungsberatung



2. Wie läuft eine Restukturierung ab?

„Planung, Planung, Planung; ohne die ist alles nur wenig nachhaltiger Aktionismus.“

Angélique Thranberend

Phasen der Restrukturierung

Die Phasen einer Restrukturierung

  1. Analyse und Planung
    1. Mache eine schnelle und schonungslose Bestandsaufnahme: Wo liegen die Probleme? Was sind die Ursachen, nicht nur die Symptome? 
    2. Definiere Ziele z.B. Marktanteil in Bereich x um 15% steigern!
    3. Erstelle eine Roadmap mit konkreten Meilensteinen!
  2. TeamaufstellungDer kritischste Schritt wird oft unterschätzt: die Aufstellung eures Steuerungs-Teams. Ein Unternehmen zu restrukturieren ist kein Soloprojekt der Geschäftsführung. Ihr braucht die Expertise sehr unterschiedlicher Fachgebiete: HR, Rechtsabteilung, interne Kommunikation, Betriebsrat. Wenn dieses Team nicht funktioniert, dann steht eure Restrukturierung auf äußerst wackligen Füssen. Deshalb ist hier besondere Sorgfalt geboten!
  3. Kommunikation und ChangemanagementEine umfassende Kursänderung ist eine riesige Anstrengung für alle Beteiligten, die nur gelingt wenn ihr alle an einem Strang zieht. Es ist essentiell die gesamte Belegschaft an Bord zu holen. D.h. seid von Anfang an ehrlich und erklärt die aktuelle Situation. Begeistert für eure Vision, damit alle wissen auf welches Ziel sie hin arbeiten. Während des Wandels müsst ihr permanent weiter kommunizieren, zuhören und auf Sorgen eingehen damit auch alle an Bord bleiben.
  4. Umsetzung der MaßnahmenNun setzt ihr alle zusammen die geplanten (operativen, finanziellen, strategischen, strukturellen) Maßnahmen um.
  5. Controlling und OptimierungNatürlich ist es unerlässlich immer wieder zu prüfen, ob ihr noch auf dem Weg seid, den ihr eingeschlagen habt und auch ob weitere Ereignisse oder Erkenntnisse es erforderlich machen nachzujustieren.

Die Phasen einer Restrukturierung gehen ineinander über und laufen oft auch parallel. So können zum Beispiel dringend nötige Maßnahmen auch sofort umgesetzt werden. Andere Maßnahmen werden erst geplant, wenn das Steuerungs-Team steht, da deren Kompetenzen dabei gefragt sind. Und: Change Management sollte den gesamten Prozess begleiten. 

Personalabteilung


changemanagement

Braucht eine Restrukturierung Change Management?

Die Antwort ist: Ja, auf jeden Fall! Eine Restrukturierung ist ein tiefgreifender Change, dessen Erfolg davon abhängt, wie gut er gemanagt wird.

Denn, wie gesagt, bei einer Restrukturierung geht es keineswegs nur um Zahlen und Finanzen. Die menschliche Seite ist mindestens genau so wichtig. Eine größere Veränderung ist für die Menschen im Unternehmen eine immense Verunsicherung: Viele haben Angst um ihre Zukunft, geschätzte Kolleg*innen verlassen womöglich das Unternehmen, es werden neue Dinge von den Mitarbeitenden gefordert. Fast immer muss sich die Unternehmenskultur an neue Gegebenheiten anpassen. Und das passiert nicht von allein. Ganz im Gegenteil: je größer die Ungewissheit, desto mehr neigen Menschen dazu an Bekanntem festzuhalten, denn das kennt man, das gibt einem Sicherheit. Sogar wenn die aktuelle Situation als bedrohlich und hochgradig unangenehm empfunden wird, machen die meisten Menschen lieber weiter wie bisher statt Gewohntes plötzlich anders zu machen. Aber genau darauf kommt es in einer Restrukturierung an: möglichst schnell und mit voller Kraft den Kurs zu ändern, weil die noch vorhandenen Ressourcen meist begrenzt sind.

Wir alle wissen: Ein Unternehmen ist so gut wie seine Mitarbeitenden. Wenn also die Mitarbeitenden die neue Ausrichtung nicht aktiv mit voranbringen oder vielleicht sogar ausbremsen, dann sinken die Chancen auf Erfolg.
Das heißt: die Menschen im Unternehmen müssen während der Veränderung begleitet werden – das ist die zentrale Aufgabe von Change Management. Es geht nicht bloß darum wann wer was kommuniziert, sondern ganz besonders darum, wie die Mitarbeitenden motiviert werden in einem solch vulnerablen Moment ihr Bestes zu geben statt in Widerstand oder Schockstarre zu gehen. Und weiter gedacht: wie lassen sich Motivation, Beteiligung und Commitment nachhaltig verankern?

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Insolvenz


Kommunikation

Restrukturierung mit Personalabbau

Kommen wir jetzt zu dem Thema, dass im Zusammenhang mit einer Restrukturierung stets die meisten Sorgen bereitet: Der Personalabbau.

Egal wie man es auch dreht und wendet – Personalabbau ist für alle Beteiligten schwierig. Letztlich verlieren Menschen ihre Arbeit und damit Einkommen, Sicherheit, Umfeld und Kolleg*innen und natürlich ist das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, niederschmetternd. Die Kündigung aussprechen zu müssen ist für Führungskräfte emotional extrem herausfordernd, weil sie sich der Folgen für die Betroffenen bewusst sind und obendrein deren Enttäuschung, Wut oder Trauer abfedern müssen. Zudem handelt es sich um Menschen mit denen man oft jahrelang gut zusammen gearbeitet hat. Kein Wunder also, dass Führungskräften vor diesen Gesprächen bange ist. 

Auch der Personalabteilung ergeht es nicht anders: Verantwortung für die Mitarbeitenden, rechtliche Gegebenheiten und wirtschaftliche Notwendigkeiten müssen abgewogen werden. Der Personalabteilung kommt in einer Restrukturierung eine zentrale Rolle zu: sie kommuniziert in alle Richtungen, begleitet Mitarbeitende, die das Unternehmen verlassen, verhandelt gemeinsam mit dem Betriebsrat Sozialpläne, sorgt dafür, dass wichtige Talente im Unternehmen bleiben und bereitet die künftige Personalstruktur vor.

Restrukturierungsplan


Ablauf Personalabbau

Ablauf Personalabbau

Es ist beschlossen: die Restrukturierung erfordert den Abbau gewisser Stellen. Was ist jetzt zu tun?

  1. Planung

Personalabbau ist ein Prozess, der eine gründliche Planung braucht:

  • Wer übernimmt die Prozesssteuerung?
  • Wie lange wird der Prozess dauern?
  • Wer hat welche Rolle?
  • Wann wird der Betriebsrat informiert?
  • Gibt es einen Sozialplan oder einen Interessens-Ausgleich?
  • Kommunikation planen: Wie Führungskräften, Betroffenen, Belegschaft mitteilen?
  • Meilensteine definieren.
  • Gespräche planen: Wann, wer nimmt teil in, welcher Konstellation? Führungskräfte, Personalabteilung?
  • Stärken und Befähigen der Ausführenden.
  • Rechtliche Hintergründe klären.
  • Unterstützungsmöglichkeiten identifizieren.
  1. Fair Exit Gespräche

Ein Restrukturierungsprozess mit Entlassungen ist emotional und juristisch komplex. Details und Fallstricke sind oft nicht absehbar, da die meisten Unternehmen Angehörigen nur selten Restrukturierungserfahrung mitbringen. 

Wie also gestaltet man den unfreiwilligen Abschied so wertschätzend wie möglich?

Hier ist Empathie angebracht! Manche Menschen identifizieren sich mit ihrem Arbeitsplatz oder sind seit vielen Jahren im Unternehmen, für manche ist die Arbeit einer der wichtigsten Faktoren. Und es ist nicht nur das Loslassen der bisherigen Stelle, Zukunfts- und Existenzängste kommen hinzu, manchmal liegen aktuell schwierige persönliche Situationen vor.

Anstand, Klarheit und Transparenz sollten der Kompass sein; das WIE ist entscheidend.

  • Bereite Kündigungsgespräche gut vor!
  • Verzichte auf Smalltalk, komm schnell auf den Punkt. 
  • Begründe die Kündigung klar und sachlich.
  • Bedanke dich für die geleistete Arbeit.
  • Lasse dem Mitarbeitenden Zeit das erstmal zu verarbeiten.
  • Höre zu, zeige Verständnis, aber diskutiere nicht.
  • Bleibe bei emotionalen Reaktionen ruhig und sachlich.
  • Zeige Unterstützungsmöglichkeiten auf.
  1. Nachbearbeitung

Wenn die gekündigten Mitarbeitenden Rechtsberatung in Anspruch genommen haben, dann kommen oft Rückmeldungen von deren rechtlichen Vertretungen. Das Beste ist, gemeinsame Lösungen zu finden, um Klagen und Prozesse zu vermeiden.

Phasen Restrukturierung

Unfair Exit

Ja, natürlich könnte man Abkürzungen gehen: verschleiern, Leute rausekeln, Heimlichkeiten, unfaire Winkelzüge und so weiter. Und wahrscheinlich würde man damit kurzfristig etwas Geld sparen oder wäre schneller. Aber mal abgesehen davon, dass das hochgradig unanständig wäre, sollte man sich bewußt sein, dass einem das früher oder später auf die Füsse fällt: Rechtliche Konsequenzen, ein ramponiertes Image, eine suboptimale Unternehmenskultur und demotivierte  Mitarbeitende sind die Folgen. Denn die Mitarbeitenden die gehen müssen, sprechen darüber, wie sie in dieser Situation behandelt wurden und die Menschen die im Unternehmen bleiben ebenfalls. Keiner kann sich einen schlechten Ruf leisten. Und schlimmer noch: wenn mit Kolleg*innen unfair umgegangen wird, hat das überaus negative Auswirkungen auf die Motivation der verbleibenden Mitarbeitenden. 

„Unanständiges Verhalten hat immer Konsequenzen!“ 

Angélique Thranberend

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Betriebsrat


Video Restrukturierung

Im Video sprechen Susanne und Angelique über ihre Erfahrungen mit Restrukturierung (23:21 min).


3. Wie geht es nach der Restrukturierung weiter?

Oft fokussieren sich Unternehmen bei einer Restrukturierung auf Sparmaßnahmen, Investoren-Gewinnung und Entlassungen. Die Frage, wie es danach weitergehen soll, schieben sie auf. Dabei muss genau das zeitig angeschoben werden, wenn sich wirklich was verändern soll. Viele Fragen müssen geklärt werden, um neue Prozesse, Strukturen und eine veränderte Unternehmenskultur auf die Beine zu stellen. Wer arbeitet an welcher Stelle? Wer muss weitergebildet werden; wer wird versetzt? Wer führt wo? Wie passen wir unsere Unternehmenskultur an? 

Was ist mit den Mitarbeitern, die bleiben?

Das Wichtigste wird meist übersehen: die Mitarbeitenden, die im Unternehmen bleiben. Wie ergeht es den Menschen nach der Restrukturierung? Sie haben Kolleg*innen verloren, große Unsicherheit erlebt, alles verändert. Wie bleiben die Mitarbeitenden trotz all der Anstrengung motiviert? Oft fallen Menschen nach einem Ausnahme-Zustand wieder in alte Muster zurück. Damit sich die Veränderungen sich nachhaltig festigen können, brauchen die Mitarbeitenden auch nach der Restrukturierung Begleitung. 

Abfindungen


Erfolgsfaktoren Restrukturierungen

Was sind die Do’s and Don’ts bei einer Restrukturierung? 

Welche Probleme gibt es oft bei Restrukturierungsprozessen?

Restrukturierungen sind so unterschiedlich wie die Unternehmen, die sie durchlaufen müssen. Manche Schwierigkeiten tauchen jedoch öfter auf:

  • Durch Betriebsverfassungsrechtliche Themen können Verzögerungen entstehen; zum Beispiel, dass der Betriebsrat nicht mit zieht.
  • Unterschiedliche Stakeholder haben unterschiedlichen Bedürfnisse und das führt oft zu erhöhten Abstimmungsbedarfen.
  • Manchmal bremsen unterschiedliche Auffassungen zum WIE seitens der Entscheider des Unternehmens eine zügige Umsetzung.
  • Wenn es viele Kündigungsschutzklagen hagelt, dann muss sich intern deutlich mehr abgestimmt werden.
  • Häufig gibt es Missverständnisse in der Kommunikation.

Was sind Fehler bei der Restrukturierung?

  • Vorschnelles Handeln.Ziele und Strategie müssen klar formuliert werden. Alle Situationen sollten kurz-mittel und langfristig durchdacht und Alternativen in Betracht gezogen werden. Ein Beispiel: Muss es eine Kündigung sein oder wäre eine Weiterbildung auch eine Möglichkeit?
  • Mitarbeitende nicht an Bord holen. Mitarbeitende bleiben außen vor, wenn schlecht kommuniziert wird, zum Beispiel wenn nicht eindeutig erklärt wird, warum die Restrukturierung absolut notwendig ist oder wenn die Vision nicht kommuniziert wird. Auch unzureichende Begleitung durch Change Management oder mangelnde Mitarbeitereinbindung führen dazu, dass Gerüchte, Unsicherheit und Widerstand entstehen.
  • Finanzen-Fokus.Einfach nur einsparen ohne Blick auf Menschen und Unternehmenskultur.
  • Betriebsrat zu spät einbinden.Wenn es besser laufen soll, dann darf die Perspektive der Mitarbeitenden nicht fehlen, denn diese können wertvolle Informationen beisteuern. So lassen sich Verzögerungen, Rechtsstreits, Vertrauensverlust und Eskalationen vermeiden.
Restrukturierung Fehler

In Kürze: Wie wird deine Restrukturierung erfolgreich?

Wir fassen hier noch einmal kurz zusammen, was erfolgskritisch ist: 

  1. Planung, Planung, Planung.
    1. Ehrliche Analyse
    2. Alle Perspektiven und Alternativen bedenken
    3. Langfristig gedachte Vision & Strategie
  2. Restrukturierung gelingt nur mit den Menschen! 
    1. Restrukturierungsteam aufstellen
    2. Ausführende befähigen
    3. Mitarbeitende einbinden
  3. Das Wie entscheidet
    1. Klare Kommunikation
    2. Anstand
    3. Flexibel auf Abweichungen reagieren

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Mitarbeiter


Erfolg Veränderung

Lektüre zu Restrukturierung

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Studie

https://www.personalwirtschaft.de/news/hr-organisation/restrukturierung-hr-spricht-selten-strategisch-mit-199084

Buch Unternehmenskultur Erfolgsfaktor

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Die Autorinnen

berliner team - Kassandra Knebel
Kassandra Knebel
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Susanne Grätsch

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